Lauschangriff – Ja oder Nein ?

Lauschabwehr der besonderen Art

Das Auffinden von aktiver Angriffstechnik im Verlaufe eines Lauschabwehreinsatzes ist sicherlich für das Team und für den Auftraggeber ein nicht alltägliches Ereignis. Häufiger werden Spuren von zurückliegenden Lauschangriffen bzw. begünstigende Bedingungen für die Hinterlegung potentieller Angriffstechniken festgestellt. Dass Lauschangriffe stattfinden, steht sicherlich außer Zweifel, die Presse berichtet regelmäßig über stattgefundene und entdeckte Lauschangriffe im In- und Ausland. Leider hat man nur selten die Möglichkeit, gefundene und sichergestellte Technik auf ihre Funktionsfähigkeit und Zweckbestimmung zu überprüfen. Wir erhielten die Information, dass bei einem Lauschabwehreinsatz durch ein uns nicht bekannt gewordenes Lauschabwehr –  Team eine “Wanze” entdeckt und an seinen Auftraggeber übergeben wurde. Dem Kunden wurde vom Dienstleister erklärt, dass es sich bei der Angriffstechnik um eine vom BKA oder LKA verwendete “Wanze” handeln soll. Auf eine entsprechende Bitte erhielten wir die Möglichkeit, den als “Wanze” identifizierten Gegenstand zu begutachten und technisch zu untersuchen.

Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, hier drei Fotos und die mit übergebene Beschreibung:

       

 

– Frequenzbereich:      12,5 KHz bis max. 1,5 GHz

– Aktionsradius:           ca.30 m

– Sendeleistung:           ca. 1 mW , Spannung vermutlich 1,5V

– Art:                              vermutlich “Körperschall – Sender”

Die Inaugenscheinnahme erweckte bei uns erste Zweifel, dass es sich bei diesem Gegenstand um eine professionelle Angriffstechnik aus Beständen der genannten staatlichen Behörden handelt. Der genannte Frequenzbereich ist in dieser Anordnung technisch so nicht realisierbar und würde auch keinerlei Sinn machen. Die auf der Leiterplatte festgestellten Lötstellen und die willkürlich gewählte Länge der Antenne bestärkten unseren Verdacht. Auch die dem Kunden übergebene Beschreibung zu diesem Teil verstärkte unser Misstrauen. Da visuell nicht geklärt werden konnte, was sich unter der weißen Masse auf der Platine befindet,  war eine genauere technische Untersuchung unumgänglich. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir nicht ausschließen, dass sich darunter ein integrierter Schaltkreis befand und der Sender damit funktionsfähig war. Die vorhandene Stromversorgung wäre für den Betrieb des Senders durchaus geeignet.

Um auszuschließen, dass sich unter dieser Masse Halbleiter befinden, wurde dieses Bauteil mit dem Nonlinear-Junction-Detektor untersucht, mit dem auch nicht aktivierte Halbleiter sofort erkannt werden. Das Gerät zeigte keinerlei Messergebnisse in dieser Hinsicht an.

Aufgrund der langjährigen Erfahrung und der vorhandenen Kenntnisse über die im Markt vorhandene Angriffstechnik schließen wir im Ergebnis unserer Untersuchung aus, dass es sich bei dem uns vorgelegten elektronischen Bauteil um einen funktionierenden Sender handelt. Wir sind der Auffassung, dass der Dienstleister bei seinem Kunden ein Szenario der Unsicherheit erzeugen wollte, um im besten Falle weitere Lauschabwehr – Aufträge für sich  zu generieren. Der Kunde, der keine Kenntnisse über diese Materie besitzt, ist solchen unseriösen Anbietern ausgeliefert. Dienstleister dieser Art fühlen sich sicher, dass ihr Betrug nicht an die Öffentlichkeit gerät, da kaum ein Kunde bereit  ist,  fremde Personen über den vermeintlich stattgefundenen Lauschangriff zu informieren bzw. sich zu offenbaren.

In den 20 Jahren unserer Tätigkeit erhielten wir durch Zufall die Gelegenheit, so eine gefundene “Wanze” zu begutachten. Schlussfolgernd aus diesem Sachverhalt ist zu betonen, dass die Suche nach Lauschmitteln (Sweep) eine auf physikalischen Grundsätzen beruhende aufwändige Tätigkeit ist, die viel Equipment und Erfahrung benötigt. Wer damit nur das schnelle Geldverdienen im Sinn hat, wird niemals eine seriöse Arbeit leisten und sollte sich einem anderen “Betätigungsfeld”  als der Lauschabwehr zuwenden.